Wie man aus Resten leckeres Essen kocht: Resteküche-Initiator Daniel Anthes im Interview

Lebensmittelverschwendung Resteküche

Daniel Anthes ist passionierter Hobbykoch und möchte mithilfe des Reste-Kochbuch (das er gemeinsam mit seiner Freundin Katharina Schulenburg verfasste) etwas gegen die enorme Lebensmittelverschwendung unternehmen, die unsere Verschwendungskultur geradezu künstlich selbst erschafft.

Außerdem spricht er über andere bereits erfolgreich ins Leben gerufene Projekte wie etwa den Foodtruck und gibt uns am Ende sogar einen dezenten Wink, welche kleinen und noch geheimen Ideen sich schon in den Startlöchern zur Pilotphase befinden.

Viel Spaß beim Lesen des spannenden Interviews!


Interview mit Daniel Anthes über Lebensmittelverschwendung, Reste-Kochbuch und Projekte

ECO ousuca: Hallo Daniel, wie kamst du auf den zugegebenermaßen inspirierenden Begriff “Lebensmittelwertschätzung”? Was war der Auslöser für deine vielfältigen Bemühungen, bewusster mit Essen umzugehen?

Daniel Anthes: Sobald man mal etwas tiefer in das Thema “Lebensmittelverschendung” einsteigt, merkt man schnell, dass wir hier aufgrund unserer fahrlässigen Verschwendungskultur enorm viele und dazu noch riesengroße Probleme künstlich erschaffen, die eigentlich vermeidbar wären.

Aber mein persönliches Aha-Erlebnis war der Moment, als ich das erste Mal bei einer Bäckereifilliale abends Brot retten war – das Auto war bis unter das Dach voll mit Backwaren, die eigentlich in der Tonne gelandet wären. Und das passiert da jeden Tag, 7 Tage die Woche, 56 Wochen im Jahr.

Da war mir klar: Ich will etwas gegen diese enorme Verschwendung unternehmen, indem ich Lösungen aufzeige, die Menschen Lebensmittel wieder mehr wertschätzen lassen.

ECO ousuca: Erzähle doch bitte etwas über das Foodtruck-Projekt Resteküche deines Vereins ShoutOutLoud. Eure Startnext-Kampagne scheint ja auf fruchtbaren Boden gestoßen zu sein. Ihr habt nun den Truck. Wie geht es weiter? Planst du auch in anderen Städten Resteküche-Besteküche-Foodtrucks und Events?

Daniel Anthes: Ja, das war einfach der absolute Wahnsinn, wieviel Zuspruch und Unterstützung wir im Rahmen unserer Kampagne erfahren haben. Aber es war auch einfach eine großartige Energieleistung des Vereins, der ja komplett ehrenamtlich arbeitet und nur in der Freizeit der Mitglieder stattfindet.

Die Suche nach einem Foodtruck hat zwar länger gedauert als gedacht, doch trotz der hohen Fundingsumme war das dann doch nicht wirklich viel auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Aber wie sagt man so schön: Besser spät als nie. Nun hatten wir am Sonntag unseren Kick-off (auch super erfolgreich!) und die nächsten Events sind auch schon geplant.

Uns geht es nun erstmal darum, unsere Crowd mit gutem Streetfood zu versorgen, die uns überhaupt erst hierin gebracht haben. Der Fokus liegt aber zu Beginn – allein schon aufgrund von Kapazitätsgründen – auf Frankfurt bzw. dem näheren Rhein-Main-Gebiet.

ECO ousuca: Restekochen kenne ich aus eigener Erfahrung. Nämlich dann, wenn wieder mal der Kühlschrank leer ist und ich aufs Improvisieren angewiesen bin. Was unterscheidet deine bzw. eure Resteküche Rezepte von den Restekochkünsten anderer Resteköche?

Daniel Anthes: Ganz ehrlich? Vom Prinzip her nicht wirklich viel. Denn letztlich geht es ja darum, die eigene Kreativität zu fördern, die schließlich zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit Lebensmitteln führt. Doch damit nicht genug, denn wir wollen diese ganz praktischen Ideen für die heimische Küche in einen größeren Kontext einbetten.

Was genau bewirkt es denn, wenn ich beim Spargel auch die Schale oder bei der Kohlrabi auch die Blätter verwende? Und wem bitte bringt es denn etwas, wenn ich das alte Brot oder die gestern übrig gebliebene Pasta nochmal reanimiere und etwas daraus zaubere?

So viel sei an dieser Stelle gesagt: Ganz viel!

Wir haben mit dieser Mischung aus Koch- und Sachbuch ein ganz spannendes Format entworfen, welches eben auch deshalb kein ausschließliches Küchen-Dasein fristen muss. Unser Buch kann man aufgrund seiner Geschichten und Informationen abseits von Rezepten ebenso gut im Wohn- oder Schlafzimmer lesen!

Resteküche Kochbuch
Leseprobe zum Resteküche-Kochbuch

⇒ Zum Download der Leseprobe des Restküche-Kochbuchs: einfach HIER KLICKEN

ECO ousuca: In einem YouTube Video stehst du gemeinsam mit deiner Freundin Katharina Schulenburg in einer Küche. Ihr sprecht über Rezepte, die während eurer Workshops und Kochevents entstanden sind.

Mal ehrlich: Wer von euch beiden kocht am meisten bzw. am liebsten? Bei uns zuhause schwinge ich meistens den Kochlöffel…

Daniel Anthes: Wir sind beide passionierte Hobby-Köche und ergänzen uns wunderbar. Und wenn einer mal nicht in Kochlaune ist und wir zusammen in der Küche stehen, kann man sich wenigstens sicher sein, dass der Andere auch so was Feines zaubern kann und man lecker essen wird.

ECO ousuca: Das Resteküche-Kochbuch kann über www.oekom-crowd.de unterstützt werden. Über die Hälfte der vorangeschlagenen Crowdfunding-Summe ist bereits im Topf. Hattest du mit so viel Zuspruch gerechnet?

Daniel Anthes: Auch hier ganz ehrlich? Irgendwie schon. Oder sagen wir mal besser so: Ich habe es sehr gehofft. Denn hätte ich nicht dran geglaubt, hätte ich ein derartiges Projekt auch nicht gestartet. Aber ich weiß erfreulicherweise eben auch, dass wir aufgrund unseres jahrelangen Engagements in diesem Bereich mittlerweile ein großes Netzwerk mit ebenso engagierten und inspirierenden Menschen aufgebaut haben, die uns hier unterstützen. Aber hey, noch sind wir nicht am Ziel, auch wenn es momentan ganz gut aussieht.

ECO ousuca: Du bist Diplom-Wirtschaftsgeograph, arbeitest als Senior Berater & Speaker beim Frankfurter Zukunftsinstitut, bist Autor bei der Huffpost, engagierst dich als Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins ShoutOutLoud und schreibst nebenbei noch ein Buch. Hast du bei so viel Engagement eigentlich noch Zeit zum kochen?

Daniel Anthes: Ja, das ist dann meine “Quality-Time” nebem dem Sport, die ich zum Abschalten von all den unterschiedlichen spannenden, aber eben auch fordernden Hüten brauche. Da hat es manchmal echt schon etwas Meditatives, wenn ich nach einem langen Tag meine Pasta mit frischem Gemüse zubereite (lacht).

ECO ousuca: Der Trend geht in Richtung regionale Produkte und Nachhaltigkeit. Momentan boomen alternative Gartenprojekte und Online-Plattformen für regionale Bioprodukte schießen aus dem Boden wie Möhren. Prinzipiell eine wünschenswerte Entwicklung. Wo beziehst du deine Lebensmittel?

Kaufst du auch Online? Wenn ja, nennst du uns deine Favoriten?

Daniel Anthes: In der Tat sind das sehr erfreuliche Entwicklungen, da sie die Menschen wieder näher zu ihren Lebensmitteln bringen. Und dann gehen wir eben auch zwangsläufig achtsamer mit ihnen um. Ich selbst bin da aber noch komplett analog geblieben und gehe, wenn wir nicht “Lebensmittelretten” waren, zum Biomarkt oder Wochenmarkt um die Ecke.

Daniel Anthes und Katharina Schulenburg auf YouTube

ECO ousuca: Was hältst du von den Bestrebungen grosser Discounter wie Aldi und Lidl, die ja zunehmend verstärkt in den Biomarkt vorpreschen?

Ist das gut, weil die breite Masse dadurch für Bioprodukte sensibilisiert wird? Oder ist das eher bedenklich, weil Discounter durch die Preisdrückung schließlich die Wegwerfgesellschaft fördern?

Daniel Anthes: Ganz grundlegend bin ich da erstmal pragmatisch und sage: Besser Bio als konventionell. Klar ist aber auch, dass Discounter-Bio-Produkte in der Regel “nur” das hellgrüne EU-Bio-Siegel tragen, welches deutlich schwächer ist als das der Bio-Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter.

D.h. der Beitrag zum fairen und nachhaltigen Umgang mit Natur, Tier und auch dem Bauer selbst ist deutlich geringer. Und natürlich senden die Billigpreise auch irgendwo falsche Signale, denn bei echten Bio-Produkten sprechen wir von einer ganz anderen Qualität und das widerspricht auch irgendwo dem ganzheitlichen Öko-Gedanken.

ECO ousuca: Verrätst du uns deine Pläne für die Zukunft. Hast du bereits weitere Projekte im Auge oder willst du deine Kraft momentan vorrangig in die bereits existierenden Projekte fliessen lassen?

Daniel Anthes
Daniel Anthes

Daniel Anthes: Sowohl als auch. Natürlich will ich nun erstmal viel Energie in den Foodtruck von unserem Verein sowie das Buch meiner Freundin und mir stecken. Ich habe aber auch schon wieder ein neues Projekt initiiert, wo ich mich gerade noch in einer kleinen geheimen Pilotphase befinde.

Sobald wir hier weiter sind und das alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, verrate ich natürlich gerne mehr.

Aber momentan ist nicht mehr drin, außer ein Tipp: Es geht um altes Brot 😉

Wir sind bereits gespannt auf das alte Brot, Danke fürs Interview!

Kurz-Bio zu Daniel Anthes

Daniel Anthes ist Diplom-Wirtschaftsgeograph, Jahrgang 1986, und als Berater und Speaker beim Zukunftsinstitut tätig.

In seiner Freizeit engagiert er sich als Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins ShoutOutLoud, wo er unter anderem das Projekt Resteküche initiierte. Nebenbei schreibt er für seinen Blog und diverse Zeitungen zu Nachhaltigkeitsthemen, v.a. zu Ernährung und Klimawandel.

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